Chrigel erzählt, was er sich von einem Lotto-Gewinn kaufen würde
Der Schweizer
Exportschlager Nummer eins ELUVEITIE unterstützt Sabaton momentan
auf ihrer "Swedish Empire Tour". In Gießen hat sich
Frontmann Chrigel die Zeit genommen, um mit Dearly Demented über
seine Band zu sprechen. Exklusiv für euch hat er zudem einige
großartige Goodies unterschrieben, die ihr gewinnen könnt - doch
dazu später mehr!
| Photograph by Manuel Vargas |
Hallo Chrigel. Wie
geht’s dir?
Chrigel: Alles
bestens, danke!
Kommen wir direkt zur
Sache: du hast ELUVEITIE 2002 / 2003 mehr als Studioprojekt
gegründet. Heute fahrt ihr große Touren. Wie hast du diese
Zeitspanne von knapp zehn Jahren für dich selbst erlebt?
Chrigel: [nach
kurzem zögern] Streng! Ja, so war es wirklich primär. Es war
unglaublich viel Arbeit – man muss sehr viel Arbeit hineinstecken.
Gleichzeitig war es aber auch eine schöne Zeit!
Macht dich diese
Entwicklung denn auch stolz?
Chrigel: Wir
schauen uns unsere Entwicklung ehrlich gesagt gar nicht so oft an. Es
hat zwar auch schon Abende gegeben, wo wir mit unserem Manager mit
einem Glas Wein an einem Tisch gesessen haben und feststellen
mussten, dass es schon ziemlich cool ist, was wir geschaffen haben.
Aber nein, eigentlich blicken wir nicht zurück. Wir machen mit
ELUVEITIE das, was wir lieben und was uns Spaß macht. Wir sind jetzt
hier wo wir sind – ich würde das aber nicht mit Stolz betiteln.
Wenn du sagst, dass
ihr genau das tut, was ihr liebt, trifft dann die Beurteilung Beruf
kommt von Berufung zu?
Chrigel: Ja,
vielleicht [lacht]. Es ist allerdings für die meisten von uns so,
dass wir uns selbst eingestehen müssen, ELUVEITIE ist das einzige,
was wir so halbwegs können [lacht]. Von daher hast du wohl recht,
Beruf kommt von Berufung.
Apropos Können: wie
bist du denn zum Erlernen der ganzen Instrumente gekommen? Sackpfeife
lernen kommt ja nicht von ungefähr, oder?
Chrigel: Das ist
ganz verschieden. Ich mache ja schon sehr lange Musik - lass mich
überlegen: Saiteninstrumente, ursprünglich klassische Gitarre,
darin hab ich meine Ausbildung vor [überlegt] 31 Jahren begonnen,
also gleich nach dem Kindergarten. Und seitdem spiele ich halt
Instrumente, mein ganzes Leben lang quasi. So ist dann immer mal
wieder was Neues dazu gekommen. Flöten und Dudelsäcke spiele ich
noch nicht so lange, aber mittlerweile sind das auch schon so circa
15 Jahre. So kommt immer mal wieder was dazu. Für “Helvetios”
habe ich beispielsweise keltische Harfe gelernt … Öfter mal was
Neues [zwinkert].
Wie sieht es mit der
Sprache Gallisch aus? Da hast du dich glaube ich an eine Expertin
gewandt, die dir hilft …
Chrigel: Ja, was
heißt Expertin!? Seit dem es ELUVEITIE gibt, arbeite ich mit
verschiedenen Wissenschaftlern zusammen. Gerade für “Helvetios”
arbeitete ich sehr intensiv mit der Universität in Wien zusammen –
ich kenn da halt ein paar Leute …
Was wir in unseren Texten
betreiben, ist im Grunde nichts anderes als Geschichtserzählung.
Einerseits ist es mir aber sehr wichtig eine ganze Portion Gefühle,
Emotionen und Menschlichkeit einzubringen. Wer sich rein mit der
Geschichte auseinander setzten möchte, der muss in eine Bibliothek
gehen und ein Buch lesen und nicht ein ELUVEITIE-Album kaufen. Ich
versuche mit meinen Texten der Geschichte [überlegt]…
… Emotionen
einzuhauchen?
Chrigel: Ja,
genau! Emotionen und Leben einzuhauchen! Auf der anderen Seite ist
mir wissenschaftliche Fundiertheit aber auch extrem wichtig! Das ist
mir sehr wichtig, vielleicht bin ich ein Nerd, was das angeht. Aus
diesem Grund arbeiten wir schon seit jeher mit verschiedenen
Professoren zusammen.
Chrigel: Also für
einen Großteil dieser Arbeit bin ich verantwortlich. Das war bisher
eben mein Stil, würde ich jetzt einfach mal behaupten. Dadurch hat
sich das über die Jahre sozusagen so unserem Stil entwickelt.
“Helvetios” ist auch in der Art gehalten – aber erst, wenn man
das Booklet aufklappt. Die Idee dahinter war, dass das schwarze Cover
so ein bisschen wie eine Buchhülle sein soll. Und das vielseitige
Booklet sollte eine Art Kunstfotobildband sein, wie er damsls vor
2000 Jahren entstanden wäre, wenn damals ein Fotograf dabei gewesen
wäre. Wir haben für dieses Konzept mit einem Fotografen zusammen
gearbeitet. Wir haben mit ihm einen riesen Aufwand betrieben –
wieder so ein Nerd-Ding … Der Typ war über ein halbes Jahr mit dem
Booklet beschäftigt: er ist wirklich umher gereist an die Orte an
denen sich Szenen der gallischen Kriege abgespielt haben und hat je
nach Song die Fotos geschossen. Die Fotos bilden also die Songs ab.
Für die Ausstaffierung der Fotomodelle haben wir mit einem Museum
zusammen gearbeitet – die Nachbildung ist also auch hier zu 100
Prozent authentisch!
Das klingt nach viel
Arbeit …
Chrigel: Ja, das
stimmt. Viel, viel Arbeit – Nerds halt!
Gleicht des
“Helvetios”-Cover einem deiner Tattoos auf der Handinnenfläche,
oder irre ich mich da?
Chrigel: Das ist
nicht wirklich das gleiche. Also es ähnelt sich, ja. Aber es ist
dennoch nicht das Gleiche. Es sind beides Triskelen, aber sie hängen
nicht zusammen …
Welche Bedeutung kommt
denn dieser Triskele von der CD zu?
Chrigel:
Höchstwahrscheinlich hat das Symbol gar keine Bedeutung. Man geht
davon aus, dass sie lediglich Verzierung oder Schmuck war, ansonsten
jedoch völlig bedeutungslos. Ich habe diese Triskele ausgewählt,
weil sie für uns für die Helvetier steht. Sie wurde auf einer Fibel
im Raum der heutigen Zentralschweiz, auf helvetischem Gebiet also,
gefunden.
Ist es für euch als
acht-köpfige Band schwieriger alle Leute auf Tour unter einen Hut zu
bringen?
Chrigel: Nein, das
ist nicht schweiriger – nur teurer! Wenn wir eine US-Tour spielen,
dann müssen wir halt nicht vier oder fünf, sondern acht Flüge
bezahlen. Ich glaube, das is alles eine Frage des Comittments: wenn
du als Band auf einer professionellen Ebene zusammen arbeiten
möchtest, dann gibt es Dinge, die du lernen musst. Dabei ist es dann
Wurst, ob du eine Band mit drei Leuten oder zehn Leuten unterhälst.
Deshalb kann ich sagen, dass ich es keinesfalls komplizierter oder
sonstwie finde.
Was ist denn eure
beste Tour- oder Live-Erfahrung, die ihr sammeln durftet?
Chrigel: Touren,
puh, das ist schwierig. Wir hatten viele gute Touren, da ist es
schwer eine herauszusuchen. Thema Auftritt: da würde dir jeder aus
der Band die Show nennen, die wir vor zwei Jahren in Indien gespielt
haben. Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis und sicherlich die
coolste Show, die wir bisher hatten!
… und die mieseste
Erfahrung?
Chrigel: Ich weiß
es nicht. Wenn es etwas Schlechtes gibt, dann hänge ich mich daran
nicht auf. Ich verdränge es zwar nicht, jedoch ist es auch nicht
wichtig. Ich erinnere mich einfach lieber an die schönen Dinge!
Du hast eben schonmal
Amerika angesprochen. Wie sieht die Folk-Szene denn da drüben aus?
Ich kann mir vorstellen, dass die dort ganz anders ist als hier, ich
kenne zum Beispiel keine einzige Folk-Band aus Amerika …
Chrigel: Ich würde
sagen, dass es inzwischen da gar nicht mehr so anders aussieht als
hier. Unsere allererste US-Tour war für die Amerikaner wirklich was
Neues. Seitdem boomt Folk in Amerika so richtig. Ich denke, dass sich
das sich so entwickelt hat, da die unsere Musik gar nicht kannten.
Ganz böse gesagt: Amerika hat keine so lange Geschichte wie wir …
Wenn du Instrumente spielst, die schon vor tausenden von Jahren
gespielt wurden und Geschichten aus dieser Zeit erzählst, dann ist
das für die Amis supergeil, die kennen das einfach nicht.
| Photograph by Manuel Vargas |
Was ich mich schon
lange gefragt habe: auf euren Promo-Bildern tragt ihr Sonnenbrillen
und Blue Jeans – ist das eure Interpretation der New Wave of
Folk Metal?
Chrigel: Wir sehen
den Folk Metal ganz anders. Dazu muss ich vorab noch Folgendes
erklären. Die Bezeichnung New Wave of Folk Metal war
eigentlich ursprünglich ein Witz. Uns ist es egal, wie man unsere
Musik nennt, für uns ist es einfach Rock 'n' Roll oder Metal und gut
ist – scheiß drauf! Als das aufkam, hat sich die Presse nur so mit
neuen Stilbezeichnungen überworfen und wir fanden das, ehrlich
gesagt, lächerlich. Deswegen haben wir uns gedacht, komm, wir setzen
noch eins darauf. Das war damals eine Art Parodie auf die Medien. Wir
haben es überhaupt nicht ernst gemeint und dennoch wurde das über
kurz oder lang übernommen.
Man kann sagen, es
wurde zum Selbstläufer …
Chrigel: Genau!
Aber zurück zu den Outfits: wir machen das bewusst und tragen halt
einfach gerne Sonnenbrillen. Wir haben inzwischen sogar einen
Endorsement-Deal mit Ray Ban [grinst]. Du, ich meine uns geht es in
erster Linie um Authentizität. Wir singen von unseren Vorfahren,
aber das heißt noch lange nicht, dass wir in deren Klamotten herum
laufen müssen.
Es gibt aber auch noch
einen anderen Grund, warum ich so herumrenne. Wir gehören zu den
weniger betuchten Leuten. Auf den Promo-Bildern von “Helvetios”
trage ich ein Hemd, welches ich gerade jetzt auch trage. Ich habe
schlicht und einfach nicht so viel Kleidung. Ich habe vier solche
Hemden, eine schwarze und zwei paar blaue Jeans – und das war's
auch schon. Und dieses Outfit trage ich sowohl im Alltag als auch auf
der Bühne. Ich sage immer, wenn ich mal im Lotto gewinnen sollte,
kaufe ich mir ein paar neue Hosen! Naja …
Wie geht denn Folk
Metal mit Volksmusik einher?
Chrigel: Volksmusik
war einerseits immer die Musik der armen Leute und war auch sehr oft
immer die Musik der jungen Leute. Das wurde von Generation zu
Generation weiter getragen und ist in diesem Sinne immer noch
traditionelle Volksmusik. Im Jahr 2012 klingt sie eben nach
ELUVEITIE! Wir spielen es so wie wir es tun und in zehn Jahren wird
sie ganz anders klingen. Aber das ist genau der Punkt, wie sie die
vergangenen Jahrhunderte überlebt hat: sie wandelt sich, ohne dabei
ihre Seele und ihren Charakter zu verlieren – und das mit jeder
Generation, die sie spielt. Und deshalb schauen halt Volksmusiker
heutzutage nach Folk Metallern aus!
Ihr hört selbst kaum
bis gar keinen Metal privat. Stimmt das oder ist das nur ein Gerücht?
Chrigel: Ich höre
prinzipiell nicht so viel Musik privat. Aber ansonsten sind wir
musikalisch sehr offene Leute. Es gibt gute Musik, die uns anspricht
und da ist es dann auch egal, welche Art von Musik das ist. Die
meisten von uns mögen zum Beispiel Eminem – ich finde ihn
persönlich super geil. Gleichzeitig gibt es aber auch viele
Metalbands, die wir lieben. Unser Merlin ist zum Beispiel der größte
Pantera und At The Gates Fan ever. Also, wir hören schon Metal –
aber auch alles andere!
Ok, das war's auch
schon! Vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg noch mit
ELUVEITIE!
Chrigel: Danke
sehr und tschüss!
Nun zum Gewinnspiel. Es
gibt 1x die CD “The Early Year” mit einer original
Unterschrift von Chrigel und zusätzlich noch 3x eine
unterschriebe Autogrammkarte vom Sänger zu gewinnen! Wenn das
mal nichts ist ... >hier< kommt ihr zur Verlosung!