20.09.2012

ELUVEITIE im Interview, September 2012


Chrigel erzählt, was er sich von einem Lotto-Gewinn kaufen würde

Der Schweizer Exportschlager Nummer eins ELUVEITIE unterstützt Sabaton momentan auf ihrer "Swedish Empire Tour". In Gießen hat sich Frontmann Chrigel die Zeit genommen, um mit Dearly Demented über seine Band zu sprechen. Exklusiv für euch hat er zudem einige großartige Goodies unterschrieben, die ihr gewinnen könnt - doch dazu später mehr!

Photograph by Manuel Vargas

Hallo Chrigel. Wie geht’s dir?
Chrigel: Alles bestens, danke!

Kommen wir direkt zur Sache: du hast ELUVEITIE 2002 / 2003 mehr als Studioprojekt gegründet. Heute fahrt ihr große Touren. Wie hast du diese Zeitspanne von knapp zehn Jahren für dich selbst erlebt?
Chrigel: [nach kurzem zögern] Streng! Ja, so war es wirklich primär. Es war unglaublich viel Arbeit – man muss sehr viel Arbeit hineinstecken. Gleichzeitig war es aber auch eine schöne Zeit!

Macht dich diese Entwicklung denn auch stolz?
Chrigel: Wir schauen uns unsere Entwicklung ehrlich gesagt gar nicht so oft an. Es hat zwar auch schon Abende gegeben, wo wir mit unserem Manager mit einem Glas Wein an einem Tisch gesessen haben und feststellen mussten, dass es schon ziemlich cool ist, was wir geschaffen haben. Aber nein, eigentlich blicken wir nicht zurück. Wir machen mit ELUVEITIE das, was wir lieben und was uns Spaß macht. Wir sind jetzt hier wo wir sind – ich würde das aber nicht mit Stolz betiteln.

Wenn du sagst, dass ihr genau das tut, was ihr liebt, trifft dann die Beurteilung Beruf kommt von Berufung zu?
Chrigel: Ja, vielleicht [lacht]. Es ist allerdings für die meisten von uns so, dass wir uns selbst eingestehen müssen, ELUVEITIE ist das einzige, was wir so halbwegs können [lacht]. Von daher hast du wohl recht, Beruf kommt von Berufung.

Apropos Können: wie bist du denn zum Erlernen der ganzen Instrumente gekommen? Sackpfeife lernen kommt ja nicht von ungefähr, oder?
Chrigel: Das ist ganz verschieden. Ich mache ja schon sehr lange Musik - lass mich überlegen: Saiteninstrumente, ursprünglich klassische Gitarre, darin hab ich meine Ausbildung vor [überlegt] 31 Jahren begonnen, also gleich nach dem Kindergarten. Und seitdem spiele ich halt Instrumente, mein ganzes Leben lang quasi. So ist dann immer mal wieder was Neues dazu gekommen. Flöten und Dudelsäcke spiele ich noch nicht so lange, aber mittlerweile sind das auch schon so circa 15 Jahre. So kommt immer mal wieder was dazu. Für “Helvetios” habe ich beispielsweise keltische Harfe gelernt … Öfter mal was Neues [zwinkert].

Wie sieht es mit der Sprache Gallisch aus? Da hast du dich glaube ich an eine Expertin gewandt, die dir hilft …
Chrigel: Ja, was heißt Expertin!? Seit dem es ELUVEITIE gibt, arbeite ich mit verschiedenen Wissenschaftlern zusammen. Gerade für “Helvetios” arbeitete ich sehr intensiv mit der Universität in Wien zusammen – ich kenn da halt ein paar Leute …
Was wir in unseren Texten betreiben, ist im Grunde nichts anderes als Geschichtserzählung. Einerseits ist es mir aber sehr wichtig eine ganze Portion Gefühle, Emotionen und Menschlichkeit einzubringen. Wer sich rein mit der Geschichte auseinander setzten möchte, der muss in eine Bibliothek gehen und ein Buch lesen und nicht ein ELUVEITIE-Album kaufen. Ich versuche mit meinen Texten der Geschichte [überlegt]…

Emotionen einzuhauchen?
Chrigel: Ja, genau! Emotionen und Leben einzuhauchen! Auf der anderen Seite ist mir wissenschaftliche Fundiertheit aber auch extrem wichtig! Das ist mir sehr wichtig, vielleicht bin ich ein Nerd, was das angeht. Aus diesem Grund arbeiten wir schon seit jeher mit verschiedenen Professoren zusammen.

Mir ist aufgefallen, dass sich eure Artworks ähnlich sind: “Spirit”, “Slania”, “Everything Remains (As It Never Was)”. “Helvetios” hingegen ist ganz anders …
Chrigel: Also für einen Großteil dieser Arbeit bin ich verantwortlich. Das war bisher eben mein Stil, würde ich jetzt einfach mal behaupten. Dadurch hat sich das über die Jahre sozusagen so unserem Stil entwickelt. “Helvetios” ist auch in der Art gehalten – aber erst, wenn man das Booklet aufklappt. Die Idee dahinter war, dass das schwarze Cover so ein bisschen wie eine Buchhülle sein soll. Und das vielseitige Booklet sollte eine Art Kunstfotobildband sein, wie er damsls vor 2000 Jahren entstanden wäre, wenn damals ein Fotograf dabei gewesen wäre. Wir haben für dieses Konzept mit einem Fotografen zusammen gearbeitet. Wir haben mit ihm einen riesen Aufwand betrieben – wieder so ein Nerd-Ding … Der Typ war über ein halbes Jahr mit dem Booklet beschäftigt: er ist wirklich umher gereist an die Orte an denen sich Szenen der gallischen Kriege abgespielt haben und hat je nach Song die Fotos geschossen. Die Fotos bilden also die Songs ab. Für die Ausstaffierung der Fotomodelle haben wir mit einem Museum zusammen gearbeitet – die Nachbildung ist also auch hier zu 100 Prozent authentisch!
Das klingt nach viel Arbeit …
Chrigel: Ja, das stimmt. Viel, viel Arbeit – Nerds halt!

Gleicht des “Helvetios”-Cover einem deiner Tattoos auf der Handinnenfläche, oder irre ich mich da?
Chrigel: Das ist nicht wirklich das gleiche. Also es ähnelt sich, ja. Aber es ist dennoch nicht das Gleiche. Es sind beides Triskelen, aber sie hängen nicht zusammen …

Welche Bedeutung kommt denn dieser Triskele von der CD zu?
Chrigel: Höchstwahrscheinlich hat das Symbol gar keine Bedeutung. Man geht davon aus, dass sie lediglich Verzierung oder Schmuck war, ansonsten jedoch völlig bedeutungslos. Ich habe diese Triskele ausgewählt, weil sie für uns für die Helvetier steht. Sie wurde auf einer Fibel im Raum der heutigen Zentralschweiz, auf helvetischem Gebiet also, gefunden.

Ist es für euch als acht-köpfige Band schwieriger alle Leute auf Tour unter einen Hut zu bringen?
Chrigel: Nein, das ist nicht schweiriger – nur teurer! Wenn wir eine US-Tour spielen, dann müssen wir halt nicht vier oder fünf, sondern acht Flüge bezahlen. Ich glaube, das is alles eine Frage des Comittments: wenn du als Band auf einer professionellen Ebene zusammen arbeiten möchtest, dann gibt es Dinge, die du lernen musst. Dabei ist es dann Wurst, ob du eine Band mit drei Leuten oder zehn Leuten unterhälst. Deshalb kann ich sagen, dass ich es keinesfalls komplizierter oder sonstwie finde.

Was ist denn eure beste Tour- oder Live-Erfahrung, die ihr sammeln durftet?
Chrigel: Touren, puh, das ist schwierig. Wir hatten viele gute Touren, da ist es schwer eine herauszusuchen. Thema Auftritt: da würde dir jeder aus der Band die Show nennen, die wir vor zwei Jahren in Indien gespielt haben. Das war wirklich ein unglaubliches Erlebnis und sicherlich die coolste Show, die wir bisher hatten!

und die mieseste Erfahrung?
Chrigel: Ich weiß es nicht. Wenn es etwas Schlechtes gibt, dann hänge ich mich daran nicht auf. Ich verdränge es zwar nicht, jedoch ist es auch nicht wichtig. Ich erinnere mich einfach lieber an die schönen Dinge!

Du hast eben schonmal Amerika angesprochen. Wie sieht die Folk-Szene denn da drüben aus? Ich kann mir vorstellen, dass die dort ganz anders ist als hier, ich kenne zum Beispiel keine einzige Folk-Band aus Amerika …
Chrigel: Ich würde sagen, dass es inzwischen da gar nicht mehr so anders aussieht als hier. Unsere allererste US-Tour war für die Amerikaner wirklich was Neues. Seitdem boomt Folk in Amerika so richtig. Ich denke, dass sich das sich so entwickelt hat, da die unsere Musik gar nicht kannten. Ganz böse gesagt: Amerika hat keine so lange Geschichte wie wir … Wenn du Instrumente spielst, die schon vor tausenden von Jahren gespielt wurden und Geschichten aus dieser Zeit erzählst, dann ist das für die Amis supergeil, die kennen das einfach nicht. 

Photograph by Manuel Vargas
Was ich mich schon lange gefragt habe: auf euren Promo-Bildern tragt ihr Sonnenbrillen und Blue Jeans – ist das eure Interpretation der New Wave of Folk Metal?
Chrigel: Wir sehen den Folk Metal ganz anders. Dazu muss ich vorab noch Folgendes erklären. Die Bezeichnung New Wave of Folk Metal war eigentlich ursprünglich ein Witz. Uns ist es egal, wie man unsere Musik nennt, für uns ist es einfach Rock 'n' Roll oder Metal und gut ist – scheiß drauf! Als das aufkam, hat sich die Presse nur so mit neuen Stilbezeichnungen überworfen und wir fanden das, ehrlich gesagt, lächerlich. Deswegen haben wir uns gedacht, komm, wir setzen noch eins darauf. Das war damals eine Art Parodie auf die Medien. Wir haben es überhaupt nicht ernst gemeint und dennoch wurde das über kurz oder lang übernommen.

Man kann sagen, es wurde zum Selbstläufer …
Chrigel: Genau! Aber zurück zu den Outfits: wir machen das bewusst und tragen halt einfach gerne Sonnenbrillen. Wir haben inzwischen sogar einen Endorsement-Deal mit Ray Ban [grinst]. Du, ich meine uns geht es in erster Linie um Authentizität. Wir singen von unseren Vorfahren, aber das heißt noch lange nicht, dass wir in deren Klamotten herum laufen müssen.
Es gibt aber auch noch einen anderen Grund, warum ich so herumrenne. Wir gehören zu den weniger betuchten Leuten. Auf den Promo-Bildern von “Helvetios” trage ich ein Hemd, welches ich gerade jetzt auch trage. Ich habe schlicht und einfach nicht so viel Kleidung. Ich habe vier solche Hemden, eine schwarze und zwei paar blaue Jeans – und das war's auch schon. Und dieses Outfit trage ich sowohl im Alltag als auch auf der Bühne. Ich sage immer, wenn ich mal im Lotto gewinnen sollte, kaufe ich mir ein paar neue Hosen! Naja …

Wie geht denn Folk Metal mit Volksmusik einher?
Chrigel: Volksmusik war einerseits immer die Musik der armen Leute und war auch sehr oft immer die Musik der jungen Leute. Das wurde von Generation zu Generation weiter getragen und ist in diesem Sinne immer noch traditionelle Volksmusik. Im Jahr 2012 klingt sie eben nach ELUVEITIE! Wir spielen es so wie wir es tun und in zehn Jahren wird sie ganz anders klingen. Aber das ist genau der Punkt, wie sie die vergangenen Jahrhunderte überlebt hat: sie wandelt sich, ohne dabei ihre Seele und ihren Charakter zu verlieren – und das mit jeder Generation, die sie spielt. Und deshalb schauen halt Volksmusiker heutzutage nach Folk Metallern aus!

Ihr hört selbst kaum bis gar keinen Metal privat. Stimmt das oder ist das nur ein Gerücht?
Chrigel: Ich höre prinzipiell nicht so viel Musik privat. Aber ansonsten sind wir musikalisch sehr offene Leute. Es gibt gute Musik, die uns anspricht und da ist es dann auch egal, welche Art von Musik das ist. Die meisten von uns mögen zum Beispiel Eminem – ich finde ihn persönlich super geil. Gleichzeitig gibt es aber auch viele Metalbands, die wir lieben. Unser Merlin ist zum Beispiel der größte Pantera und At The Gates Fan ever. Also, wir hören schon Metal – aber auch alles andere!

Ok, das war's auch schon! Vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg noch mit ELUVEITIE!
Chrigel: Danke sehr und tschüss!

Nun zum Gewinnspiel. Es gibt 1x die CD “The Early Year” mit einer original Unterschrift von Chrigel und zusätzlich noch 3x eine unterschriebe Autogrammkarte vom Sänger zu gewinnen! Wenn das mal nichts ist ... >hier< kommt ihr zur Verlosung!